IM INTERVIEW:
Susanne Hacker - Geschäftsführerin Die Hacker GmbH

Mein Mann sagt, ich habe Benzin im Blut.

Susanne Hacker ist seit nun mehr als 10 Jahren alleinige Geschäftsführerin von „Die Hacker GmbH“ in Adendorf und beschäftigt dort mehr als 20 Mitarbeiter.
Ursprünglich wollte Sie Lackiererin werden, doch der Mutter zu Liebe machte Sie erst einmal eine Ausbildung zur Bürokauffrau im väterlichen Lackierereibetrieb, wodurch die Nähe zur Werkstatt und den geliebten Autos aber blieb.
Nach der Ausbildung zog es Frau Hacker erst einmal in andere Branchen, in denen sie Berufserfahrungen sammelte. Doch als die Frage der Werkstattübernahme anstand, entschied sie sich dafür den Betrieb, vorerst gemeinsam mit Ihrem Bruder, zu leiten. 
Ich durfte Frau Hacker einige Fragen stellen, unter anderem zu ihrem Werdegang und ihren Erfahrungen als Geschäftsführerin einer Autolackiererei und Karosseriewerkstatt. 

Würden Sie sagen, dass sich in der Branche ein Wandel bemerkbar macht,

weg von der typischen Männerdomäne?

Damals als ich anfing und es dazu kam, dass ein Kunde den Chef sprechen wollte, waren einige schon sehr irritiert und haben nicht verstanden, dass ich hier die Chefin bin. Aber das ist heute überhaupt nicht mehr der Fall. Bei den jungen Leuten merkt man davon nichts mehr. Ich trete natürlich auch anders auf und lass mich von solchen Kommentaren nicht mehr abschrecken. 
Ich bin der Meinung, dass meine Position heutzutage ganz normal ist. Bei brancheninternen Treffen, sitzen mittlerweile immer mehr Frauen am Tisch.

Was macht Ihnen am meisten Spaß im Job?

Ich habe einfach eine Leidenschaft für Autos! Mein Mann sagt, ich habe Benzin im Blut. Für mich ist ein Auto nicht einfach ein Gegenstand, um von A nach B zu kommen. Ich mag schöne Autos und finde es toll, wenn sie nach einem Besuch bei uns in der Werkstatt auch wieder schön sind. 

Wann kommt es in Ihrem Berufsalltag zu kritischen Situationen?

Die entstehen eher in Bezug auf die Personalentscheidungen. Alles andere kann mit Gesetzen und Verträgen geregelt werden, aber wenn es um die Menschen geht, braucht es oft mehr. Wir leiden sehr darunter, dass es nicht genügend Auszubildende gibt. Für die Schulabsolventen, die ein bisschen was auf dem Kasten haben, kommt eine handwerkliche Ausbildung gar nicht in Frage. Dazu kommen Gerüchte, dass man als Lackierer nichts verdienen würde. Das stimmt aber nicht! Wenn man will, kann man richtig Karriere machen. Man muss inzwischen nicht mehr warten, bis man nach der Ausbildung seinen Meister machen kann. Mit so einem Abschluss in der Tasche ist man hochqualifiziert und dann stehen einem alle Türen offen, man kann zum Beispiel Sachverständiger bei der Versicherung werden. 

Hier kann man mehr verdienen als ein Assistenzarzt.

Mit welchem Gehalt starten denn die Azubis?

Also im 1. Jahr sind es um die 500 Euro, und mit jedem Lehrjahr steigt das Gehalt dann an. Vor allem nach der Ausbildung verdient man dann recht ordentlich, da kann man sogar mehr verdienen als ein Assistenzarzt!

Wie geht es für ihre Azubis nach der Ausbildung weiter?

Wenn wir zufrieden sind mit unseren Azubis, sind wir froh sie nach der Ausbildung zu übernehmen. Ein ehemaliger Azubi hat beide Ausbildungen bei uns gemacht, sowohl zum Fahrzeuglackierer als auch zum Karosserie- und Fahrzeugbaumechaniker und beginnt jetzt noch seinen Meister. Wir schicken also keinen weg, der seinen Job gut macht. 

Ein Zeugnis sagt nicht unbedingt etwas über den Menschen aus.

Seit wann haben Sie mit dem Nachwuchskräftemangel zu kämpfen?

Das ist nicht erst seit gestern so, sondern schon eine ganze Weile. Die geänderten Schulformen und der Wegfall der Realschulen erschweren uns die Suche nach geeigneten Kandidaten. Denn man muss sich bewusst machen, auch wenn man einen Handwerksberuf ausübt, ein bisschen rechnen muss man können! 

Würden Sie sagen, dass es Unterschiede zwischen männlichen & weiblichen Azubis/Angestellten gibt?

Ich selbst war der erste weibliche Lehrling hier, da musste bei uns erstmal eine zweite Toilette eingebaut werden [lacht]. Aber ansonsten sehe ich keine großen Unterschiede. Alle Lehrlinge werden bei uns gleich behandelt. Auch unten in der Werkstatt müssen die Mädels in der Ausbildung genauso ran wie die Jungs. 

Wir haben auch eine Gesellin, die bei uns arbeitet und „regelmäßig ihren Mann steht“. Momentan ist sie allerdings im Mutterschutz. Das muss man natürlich auch bedenken, denn wenn man schwanger ist, kann ab Beginn der Schwangerschaft ein Beschäftigungsverbot greifen. Ich denke, das schreckt auch einige Unternehmen ab, Frauen einzustellen. Aber mich überhaupt nicht! Mir ist es wichtig, dass sich bei uns Familie und Job gut vereinbaren lassen. Daher bieten wir auch flexible Arbeitszeiten und Teilzeitmodelle an. 
Ich kann ziemlich gut beurteilen, was es heißt kleine Kinder zu haben und nebenbei zu arbeiten. Meine Kinder wurden hier auf dem Tisch im Büro gewickelt [lacht]! 

 

Familie ist für mich sehr wichtig!

Wie kam es dazu, dass Sie den Betrieb damals übernommen haben? War es für Sie schon seit Ihrer Kindheit klar, dass Sie den Betrieb eines Tages übernehmen werden?

Für mich war es nicht von Anfang an klar, aber ich habe mich dann auf Wunsch meines Vaters darauf eingelassen, sodass mein Bruder und ich den Betrieb im Jahr 1996 übernahmen. Natürlich hat mich das Angebot auch gereizt und es war eine neue berufliche Herausforderung für mich. Ich wollte einfach ausprobieren, ob das etwas für mich ist. 

Und wie haben die Mitarbeiter Ihren Werdegang erlebt, von der Tochter des Chefs zur Chefin selbst?

Es gibt inzwischen nur noch einen Kollegen, der mich noch von früher kennt, als ich noch mit dem Putzen der Werkstatt mein Taschengeld aufgebessert habe. Aber das war gar kein Problem, die Akzeptanz war von Anfang an da. Genauso auch bei den Stammkunden, die den Generationenwechsel mitbekommen haben. Das Vertrauen ist mit der Zeit einfach gewachsen. 

Glauben Sie, dass es Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen Führungskräften gibt?

Ich denke, Frauen machen sich mehr Gedanken um die Menschen und treffen auch mal Entscheidungen, die man rein rational gesehen vielleicht nicht machen würde. Männer können da konsequenter und „rücksichtsloser“ sein. Aber ich sehe die Firma und Kollegen hier in gewisser Weise als meine Familie. Gerade deshalb habe ich natürlich auch immer noch die Wirtschaftlichkeit im Hinterkopf, denn ich kann hier keine Arbeiterwohlfahrt gründen. 

Welche Tipps haben Sie für andere Selbstständige oder die, die es werden wollen?

Man lernt nie aus! Mein Vater sagte mal: „Als ich in Rente gegangen bin, wusste ich wie’s geht“, und dem kann ich mich anschließen. Man muss sich im Klaren sein, dass es das Leben komplett bestimmt. Man kommt nicht nach Hause und legt die Füße hoch, sondern plant was am nächsten Tag ansteht oder überlegt was heute nicht so gut gelaufen ist. Man trägt ja auch eine Menge Verantwortung für seine Mitarbeiter.

Die Liebe zu Autos scheint den Hacker-Frauen wohl tatsächlich in die Wiege gelegt zu werden. Frau Hackers Tochter Charlotte (17) wird nämlich in diesem Sommer ebenfalls ihre Ausbildung im Familienbetrieb beginnen, aber nicht als Bürokauffrau. Sie wird während ihrer Ausbildung im Karosseriebau richtige Werkstattluft schnuppern. Auch Charlotte hat erst durch ein Praktikum gemerkt, wieviel Spaß ihr das rumschrauben an den Autos macht. 

Frau Hacker freut sich natürlich, dass sich ihre Tochter genauso für den Beruf und Autos begeistern kann. Aber das heißt noch lange nicht, dass nun die Nachfolge geklärt ist, denn Frau Hacker möchte niemanden dazu drängen. „Wenn man sich dafür entscheidet einen Familienbetrieb in dritter Generation zu übernehmen, muss man auch voll und ganz dahinterstehen.“, so Frau Hacker. Wie es weiter geht bei den Hackers wird die Zukunft zeigen, aber erst einmal geht weiterhin alles über den Tisch von Frau Susanne Hacker.

Es war schon interessant, direkt Autos auseinander und wieder zusammenbauen zu können.

Momentaufnahmen einer Werkstatt