Eine Reportage über eine besondere Unternehmensgründung
(Im Interview mit den Inhabern der Firma Playfit GmbH am 14.02.2020) 

Die Firmengründer von Playfit sind auch gleichzeitig Ehepartner. Wie gut das funktionieren kann, beweisen Renate Zeumer und Ihr Mann zweifelsohne. Ich durfte sie als ein wunderbar eingespieltes Team kennenlernen. In einem schönen Hamburger Innenhof liegen die einladenden Büroräume, in denen man neben einer großen Auswahl ihrer Fitnessgeräte auch interessante Dinge entdecken kann, die sie aus aller Welt mitgebracht haben und jedes Stück sicher seine Bedeutung und eigene kleine Geschichte hat.

Schon an der Eingangstür wurde ich sehr herzlich von den Mitarbeiter*innen empfangen.

So wie auch die Räume durch die helle und offene Atmosphäre gekennzeichnet sind, so war auch das Gespräch zwischen uns. Ich durfte jegliche Fragen stellen, die mir unter den Nägeln brannten und ich habe tiefe Einblicke in eine besondere, durch organisches Wachstum und viel Herzblut gekennzeichnete, Unternehmensgeschichte erhalten. Meine Eindrücke möchte ich mit Euch Leser*innen teilen:

 

„Wir haben niemals daran gedacht, den Traum aufzugeben.“

Besonders fasziniert hat mich, dass beide niemals den Glauben an die Verwirklichung ihres Traums verloren haben. Sie waren von Beginn an Feuer und Flamme und diesen „Spirit“ spürt man heute noch, fast 20 Jahre nach der Ideenfindung. Das liegt sicher auch daran, dass der Wunsch etwas Neues zu entwickeln schon ganz lange bestand. Renate Zeumer hatte schon immer die Sehnsucht, etwas Neuartiges auf den Markt zu bringen.

 

„Ich wollte schon immer in meinem Leben irgendwas Neues entwickeln. – Irgendwas, was Menschen glücklich macht und wofür sie nichts bezahlen müssen. Das war schon immer mein Lebensziel.“

Und dieses Ziel hat sie erreicht! Darauf kann sie wirklich stolz sein und das ist sie sicherlich auch, trotz ihrer eher bescheidenen Art. Das kann wirklich Mut machen und zeigen, dass kleine und große Lebensziele realisierbar sind.

Und wie funktioniert es, dass die Geräte der Bevölkerung kostenlos zur Verfügung stehen? Die Playfit-Geräte stehen oftmals bei öffentlichen Einrichtungen, Städten und Kommunen zum Beispiel in Parkanlagen, die öffentlich zugänglich sind. Sie sind also durch Steuergelder finanziert und kommen somit allen Bevölkerungsgruppen zu Gute. So kann wirklich jeder in Bewegung kommen. Und nicht nur in Bewegung, sondern auch ins Gespräch. Die Idee für die Geräte entstand auf einer Reise gen Fernost.

 

„Ich wollte meinen 50. Geburtstag eigentlich nicht feiern.“

„Ich lud meine Freunde ein, mit mir Peking-Ente in Peking essen zu gehen.“ 

Zum Anlass des 50. Geburtstages des Firmengründers, lud er seine Freunde ein, mit ihm Peking-Ente in Peking zu essen. Er hatte überhaupt nicht damit gerechnet, dass am Ende 25 Freunde zusammenkamen und sie alle gemeinsam eine wahnsinnig tolle Zeit in China verbrachten. Seine Ehefrau, Renate Zeumer, hat während einer Mittagspause mit einer Freundin einen Spaziergang unternommen. Unterwegs stießen sie auf eine Gruppe älterer Damen, die sich draußen gemeinsam an verschiedenen Geräten sportlich betätigten. Die Damen luden Renate Zeumer und ihre Freundin ein, mitzumachen. Sie unterhielten sich im wahrsten Sinne des Wortes mit Händen und Füßen und hatten wahnsinnig viel Spaß an den Bewegungen. Draußen gemeinsam mit anderen Sport zu treiben bereitet wirklich Freude und macht glücklich, stellten die beiden Frauen fest. Dieses Erlebnis beflügelte Renate Zeumer sehr und es brachte sie auf die Idee, die Kultur, des gemeinsamen Sporttreibens unter freiem Himmel an dafür vorgesehenen Geräten nach Deutschland zu bringen. Von nun an, wollte sie etwas in diese Richtung bewegen und der Traum ließ sie nicht mehr los.

 

„Es war egal, ob das was wird. Wir erleben so viel.“

Mit dieser Einstellung haben sich die Firmengründer von Beginn an, an die Umsetzung der Idee gemacht. Man merkt ihnen an, wie viel Herzblut sie in ihr Projekt schon gesteckt haben und immer noch stecken. Da sie schon lange vor der Unternehmensgründung von Playfit selbstständig tätig waren in ihren jeweiligen Bereichen, als Versicherungsmakler und als Ingenieurin, waren sie vertraut mit den Umständen, die die Selbstständigkeit mit sich bringt. Es gibt keine festen Arbeitszeiten, dafür tut man all’ das was man tut, direkt für das eigens gesteckte Ziel und hat große Freiheit in der Ausgestaltung seines Alltags und der Umsetzung von Ideen. Natürlich geht damit auch einher, dass man eine größere Verantwortung für sich und später, bei der Einstellung von Mitarbeiter*innen, auch für andere trägt. Diese Verantwortung tragen die Playfit Gründer gerne.

 

„Wie überzeugt man in einer Branche, die komplett neu ist?“

„Am Anfang war es zäh, weil unsere Produkte keiner kannte.“ 

Inzwischen sind die Geräte bekannt und beliebt. Sie haben sich Gedanken gemacht, auf die individuellen Wünsche, Probleme, Situationen ihrer Kunden*innen individuell einzugehen. Die Geräte, die sie in Asien gesehen hatten, waren auf die Menschen dort angepasst. Es bedurfte viel Recherche- und Tüftel-Arbeit die Geräte an den europäischen Markt anzupassen. Das fing schon damit an, dass Europäer durchschnittlich größer sind. Die rein technischen Herausforderungen waren jedoch nicht die Einzigen.

 

„Nicht einmal der TÜV wusste, mit welcher Norm diese Geräte zertifiziert werden sollten.“

Im Laufe der Gründung tauchten immer wieder neue Herausforderungen auf. „Das ist wie immer im Leben“, sagt Renate Zeumer und hat damit so recht. Der Unterschied ist, dass man, wenn man wirklich hinter einer Idee steht, all‘ diese Herausforderungen mit Willensstärke und Erfinderreichtum leicht überwinden kann.

Bevor die ersten Playfit Geräte verkauft werden sollten, das war im Jahr 2006, stellte sich die Frage, welche Norm für die Sicherheitsprüfung dieser neuartigen Geräte dienen kann. Das Fazit des TÜVs war, dass es hierfür noch keine passende Norm gibt. So wurden die Geräte zuerst mithilfe der Normen für Kinderspielplatzgeräte und Indoor-Trainingsgeräte auf ihre Sicherheit hin überprüft. Inzwischen hat Playfit sogar mit dem TÜV gemeinsam durch Mitarbeit im nationalen DIN-Ausschuss und europäischen CEN-Ausschuss bei der Entstehung der Norm für standortgebundene Fitnessgeräte im Außenbereich maßgeblich mitgewirkt – ein Meilenstein in der Unternehmensgeschichte.

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„Ästhetisch sollte es sein. Wie Blumen.“  

Da die Playfit Geräte im Outdoor-Bereich aufgestellt werden, hatten die Gründer den Anspruch, dass sich die Geräte gut in die Landschaft einbetten und trotzdem sollen sie natürlich auffallen, damit sie vorübergehende Spaziergänger zum Ausprobieren und Bewegen anregen. Renate Zeumer vergleicht ihre Geräte deshalb mit Blumen. Sie und ihr Mann waren sich von Anfang an einig, dass sie ganz besondere Geräte sowohl im Hinblick auf Design als auch Qualität produzieren möchten. 

 

 „Wir wollen der Mercedes unter den Herstellern sein.“ 

Die Qualität spielt seit der Idee eine ganz entscheidende Rolle in der Umsetzung. Die Geräte sollen langlebig, wenig wartungsintensiv und natürlich in der Funktionsweise wirklich überzeugen. So kam es, dass einige Jahre vergingen, bis die ersten Prototypen entstanden. Die Entwicklungsphase war also recht lang im Vergleich. Dafür ist das Ergebnis deutlich nachhaltiger und es gibt so gut wie keine Beanstandungen seitens der Kunden*innen. Das zeigt den Gründern, dass sich die Entwicklungsarbeit, die sie neben ihrer damaligen hauptberuflichen Tätigkeit machten, sehr gelohnt hat. 

 

„Die Idee für den Namen kam uns auf der Autobahn.“ 
Die Firmengründer waren von Anfang an sehr proaktiv, zuerst in ihrer Recherchearbeit und später ganz nah an ihren Kunden*innen und verbrachten somit viel Zeit auf deutschen Autobahnen, wo sie ihre Gedanken fließen lassen konnten. Dabei entstand auch die Idee für den Namen des Unternehmens. Auch heute noch besprechen sie bei gemeinsamen Geschäftsreisen sowohl operative als auch strategische Themen und richten ihr Geschäftsmodell immer wieder neu aus. 

 

„Wir sind richtig solide und ziemlich unkonventionell.“

Da die Firmengründung erst in der zweiten Lebenshälfte stattfand, ist Playfit vollkommen unabhängig von externen Kapitalgebern, was dem Unternehmen eine große finanzielle Stabilität verschafft. Die Investitionen wurden und werden immer noch schubweise und wohl überlegt getätigt. Diese Art des Wirtschaftens ist heutzutage eher unüblich.

Nicht nur auf der finanziellen Seite schwimmt das Unternehmen etwas gegen den Strom. Dadurch, dass es ein spezielles Produkt ist, ist auch eine gewisse Unkonventionalität von Vorteil. Die Playfit Geräte beispielsweise werden so gut wie vollständig montiert geliefert, sodass es keine Ärgernisse mit fehlenden Teilen gibt oder unverständliche Anleitungen. Das schätzen die Kunden*innen sehr. 

Gute Endprodukte sind auch Ergebnis einer guten Personalauswahl. 

 

„Wir wollen keine Kompromisse eingehen.“ 

Wichtige Personalentscheidungen treffen sie selbst und immer in gemeinsamer Absprache. Sie sehen in ihren Mitarbeiter*innen einen ganz wichtigen und essenziellen Teil ihres unternehmerischen Erfolgs und geben deshalb diese Entscheidungen auch nicht an einen HR-Mitarbeiter*in ab. 

Playfit legt Wert darauf, dass ein neuer Mitarbeiter*in sich gut in das bestehende Team einfindet. Sie geben sich stetig Mühe den ganzen Menschen in den Blick zu nehmen. Wenn eine Stelle ausgeschrieben wird und daraufhin eine Einstellungsentscheidung getroffen wurde, zeigen meist die ersten Monate, welche Stärken und Talente der neue Mitarbeiter*in tatsächlich vorweist. Es kann durchaus vorkommen, dass er*sie noch ganz andere Talente hat, als er*sie für die vorgesehene Stelle benötigt. Es kann ebenso von Vorteil sein, zeigt die Erfahrung, Aufgabengebiete im Laufe der Einarbeitungsphase anzupassen und somit auch dem Mitarbeiter*in die Arbeit zu erleichtern, indem er*sie mehr das tut, was ihm*ihr wirklich liegt. So steigt die Arbeitszufriedenheit. In diesem Zusammenhang achtet das Gründerteam auch besonders auf möglichst kurze Kommunikationswege. 

 

„Wir erwarten von allen Kollegen*innen eine hohe Flexibilität.“

Was nicht bedeutet, dass Überstunden auf der Tagesordnung stehen. Den Firmeninhabern ist es besonders wichtig, dass die Mitarbeiter*innen pünktlich Feierabend machen. Die Flexibilität bezieht sich auf den Arbeitsinhalt. Aufgaben verändern sich hin und wieder und es ist den Gründern wichtig, dass die Mitarbeiter*innen bereit sind, sich Veränderungen in den Prozessen anzupassen und sie vor allem aktiv durch ihre Anregungen mitzugestalten. Kontinuierliche Verbesserungsprozesse sind neben der menschlichen Ebene, die sich durch hohe gegenseitige Wertschätzung auszeichnet, fest verankert in der Unternehmensphilosophie.  

Wenn ein neuer Mitarbeiter*in in das Unternehmen kommt, wird er*sie von einem erfahrenen Mitarbeiter*in angeleitet. So wird sichergestellt, dass das Know-How, welches in einem Gebiet erlangt wurde, weitergegeben beziehungsweise gesichert wird. In der eigenen Produktionsstätte, die hier in Deutschland sitzt, gibt es zu standardisierten Prozessen festgeschriebene Arbeitsanweisungen. Diese dienen der Qualitätssicherung hinsichtlich des Endproduktes, da so immer die gleichen Arbeitsschritte im Laufe des Produktionsprozesses durchlaufen werden. 

Renate Zeumer betont ausdrücklich: „Wir vertrauen unseren Mitarbeitern*innen. Sie sollen gerne zur Arbeit kommen.“ 

 

 „Der Prozess soll nicht von oben gesteuert werden, sondern von unten.“

Renate Zeumer war einmal in ihrem Leben fest angestellt und hat dies nicht gerade als eine gute Erfahrung erlebt, im Gegenteil. Sie wollte sich nur ungern mit der geringen Flexibilität in Arbeitszeit und Aufgabenbearbeitung arrangieren. Sie erinnert sich noch gut, dass ihr Tagesrhythmus nicht zu dem Arbeitszeitmodell des damaligen Angestelltenverhältnisses passte. Mittags war sie müde und wenn ihre Kollegen*innen Feierabend machte, hätte sie noch weiterarbeiten können. Heute genießt sie, dass sie Privat- und Arbeitsleben nicht trennen muss. Auch wenn das natürlich bedeutet, dass in den Abendstunden und am Wochenende gearbeitet wird. Jedoch nehmen sie und ihr Mann dies gar nicht so als Arbeit im klassischen Sinne wahr. 

 

Wenn im Unternehmensalltag neue Herausforderungen auftreten, …

„…dann besprechen wir das ganz schnell. Wie regeln wir das?“

Das ist sicher, unter anderen, ein Erfolgsgeheimnis von Playfit. So haben sie es ihrer jahrelangen Arbeit und ihren Mitarbeiter*innen zu verdanken, dass sie sich inzwischen für ein paar Wochen im Jahr auf Reisen in die Welt begeben können, wo ihnen dann bestimmt wieder neue Ideen kommen. 

Das Gespräch mit Renate Zeumer und ihrem Mann hat mich nachhaltig inspiriert. Neben meinem Studium bin ich in einem Hamburger Startup als Werkstudentin tätig, welches von schnellen Veränderungsprozessen und der Abhängigkeit von externen Kapitalgebern geprägt ist. Die Arbeit dort hat mir schon viele Einblicke in die Gründung eines Startups geboten.

Bei Playfit durfte ich eine sehr organische Wachstumsstrategie erleben, die eher so nach und nach aus dem Leben heraus entstanden ist. Das hat mich beeindruckt. Einige Merkmale kann ich in beiden Unternehmen erkennen: zum Beispiel Beständigkeit und Zielstrebigkeit.

Mein Blick auf Unternehmensgründungen hat sich geweitet. Und so freue ich mich auf meine Reise und bin gespannt, ob mich die Welt auch eines Tages inspirieren wird, ein eigenes Projekt zu beginnen. Fest steht, andere werden mich von ihren Ideen begeistern können, wenn sie mit so viel positiver Energie hinter ihren Projekten stehen, wie die Gründer von Playfit.

Welche Mitbringsel bringst du mit? Welcher Traum schlummert in Dir? Was willst du bewegen?
Auf Reisen - Eine Gründungsidee als Mitbringsel

(Video erstellt mit Prezi.com und Musik von: www.gemafreie-musik-online.de)