Im Rahmen des Lehrforschungsprojekts zum Thema „Arbeit“ entstand gemeinsam mit Herrn Dr. Schmidt die Idee aufgrund meiner eigenen Erfahrungen das Unternehmen WohnStore zu interviewen, da dieses den Handwerkspreis für eine erfolgreiche Integration von Auszubildenden mit Migrationshintergrund gewonnen hat.

Mein Besuch im WohnStore.
Vorgehen

Schnell war der Kontakt hergestellt und die ersten Interviews wurden während einer Hospitation, wo ich Behrus den ganzen Arbeitstag begleitet habe, sowohl mit dem Betroffenen selbst, mit der betreuenden Ansprechpartnerin sowie mit dem Geschäftsführer des Unternehmens geführt.

Das Ergebnis waren spannende Erkenntnisse sowohl auf meiner Seite als auch auf der Seite der Betroffenen. Besonders beeindruckend war Behrus Enthusiasmus bei der Arbeit und sein Engagement außerhalb der Ausbildung.

Eindrücke
Hier findest du eine kleine Slideshow mit Fotos
Interview:
Betroffener - Behrus

Behrus ist vor vier Jahren aus Afghanistan nach Deutschland gekommen. Während dieser Zeit haben ihn viele Personen begleitet und unterstützt. Wie seine Flucht aus Afghanistan nach Deutschland verlaufen ist, wie und von wem er unterstützt wurde und was sein sehnlichster Wunsch ist, erfährst du in dem kurzen Interview mit Behrus.

Behrus im Interview
Interview:
Ansprechpartnerin - Frau Bauch

Mein Name ist Karen Bauch und ich startete nach meinem Studium an der Leuphana Universität in Lüneburg im November 2016 bei dem Unternehmen WohnStore. Dort bin ich aktuell Personalleiterin und kümmere mich um sämtliche Prozesse von der Einstellung der Mitarbeiter bis hin zu der Betreuung.

 

Die Festanstellung von Menschen mit Migrationshintergrund gab es im Unternehmen schon als ich begonnen habe dort zu arbeiten. Da die Bewerbungen für Ausbildungen im Handwerk rückläufig waren, wollten wir den Fachkräftemangel vorbeugen. Grundsätzlich sind wir offen für interessierte und fleißige Leute, unabhängig von Ihrer Herkunft oder Religion. Daher kam die Idee auf Auszubildenden mit Migrationshintergrund eine Möglichkeit zu geben hier im „neuen Heimatland“ Fuß zu fassen.

 

Auch den Bewerbungsprozess haben wir dahingehend angepasst, dass eine fehlerfreie Bewerbung oder etwa ein Telefoninterview bei Auszubildenden mit Migrationshintergrund nicht die passenden Einstellungskriterien sind. Stattdessen können sowohl wir als Unternehmen, als auch die Auszubildenden im 3-wöchigen Praktikum Eindrücke sammeln und schauen ob es passt.

 

Grundsätzlich unterstützen wir alle Mitarbeiter, da wir uns als eine Familie sehen. Zusätzlich habe ich mich viel mit der Ausländerbehörde beschäftigt und habe dadurch meinen Horizont erweitert, da ich den Fragen der Auszubildenden gerecht werden möchte und Antworten geben will. Beispielsweise ist es bei Behrus so, dass er während seiner Ausbildung eine Aufenthaltserlaubnis hier in Deutschland hat. Stehen Behördengänge an, gehen wir stets mit den Auszubildenden mit, beraten bei schwer verständlichen Schreiben von der Behörde oder schauen bei der Suche von Unterkünften über die Schulter.

Selbstverständlich lassen wir den Auszubildenden mit Migrationshintergrund auch ihre religiösen Bräuche und Feiertage. Auf der Firmenfeier letztes Jahr beispielsweise sollte es schon recht früh Essen geben. Nachdem Behrus und ein weiterer Auszubildender mir aber gesagt haben, dass sie erst ab einer bestimmten Uhrzeit (wegen des Ramadans) essen können, haben wir die Essenszeit verschoben und konnten alle gemeinsam miteinander essen. Wichtig ist immer der Dialog, dann kriegt man alles gelöst.

Besonders freue ich mich immer über die Dankbarkeit, die einem entgegengebracht wird, wenn man eine Frage beantworten oder gemeinsam ein Problem lösen kann. Alle Mitarbeiter, ob mit oder ohne Migrationshintergrund, wissen bei uns, dass sie mit allen Fragen auf uns zukommen können. Natürlich bin ich auch stolz auf die Auszeichnungen, die wir für unser Engagement, welches ehrlich gesagt für uns selbstverständlich ist, bekommen haben. Beispielsweise wurden wir bei der Lünale letztes Jahr mit dem Handwerkspreis in dem Thema „Handwerk als Integrationsmotor“ sowie dieses Jahr ganz frisch mit dem „Parkett-Star“ für eine vorbildliche Ausbildung ausgezeichnet.

Interview:
Geschäftsführer – Herr Glander

Ich bin Kay-Christian Glander und bin 35 Jahre alt. Ich habe das Unternehmen 2012 hier in Lüneburg gegründet mit fünf Mitarbeitern. Heute sind wir hingegen eine Unternehmensgruppe mit insgesamt über 100 Leuten. Da wir ein inhabergeführtes Familienunternehmen sind, ist es mein Ziel das Unternehmen auch familiär zu führen. Es gibt immer Alltagsprobleme, die bewältigt werden müssen und an dieser Stelle ist der Dialog ganz wichtig. Auch private Probleme der Mitarbeiter werden auf die Arbeit mitgetragen. Genau an dieser Stelle versuchen wir die Mitarbeiter abzuholen, egal ob es sich um jemanden mit oder ohne Migrationshintergrund handelt, da mache ich grundsätzlich nie einen Unterschied. 

Im Zuge der „Flüchtlingswelle“ gab es vermehrt auch Bewerbungen von Leuten mit Migrationshintergrund. Zusätzlich haben die Paten einiger Flüchtlinge angefragt bezüglich eines Ausbildungsplatzes. Da von nun an das Entscheidungskriterium über

eine Einstellung die fehlerfreie Bewerbung nicht passte, entschieden wir uns für Praktika. Während dieser Praktika haben wir gemerkt, dass Leute mit Migrationshintergrund aufgrund ihres Engagements und ihrem Fleiß unheimlich gut zu uns passen. Wir haben mit ein bis zwei Flüchtlingen gestartet und haben gemerkt, dass, obwohl man viel investieren muss, man umso mehr wiederbekommt.

Die kleinen Erfolge, die schon nach kürzester Zeit zu sehen sind, motivieren uns alle umso mehr. Behrus beispielsweise ist absolut ehrgeizig und seine Entwicklung ist wirklich erfreulich. Dass sich jemand so engagiert und so ehrgeizig ist, da macht es einfach Spaß zuzuschauen.

Die Kollegen stehen dem Thema absolut offen gegenüber. Gerade im handwerklichen Bereich haben Mitarbeiter viel mitzubestimmen, wie beispielsweise bei der Wahl mit wem man auf welche Baustelle fährt. Dabei zählt nicht wo derjenige her kommt, sondern wie motiviert er ist und was er draufhat. Da war nie die Thematik wer er ist und wo er herkommt. Negative Reaktionen von Kunden gab es nicht. Gerade im Baugewerbe bietet es sich an, da dort generell Leute mit Migrationshintergrund nicht fremd sind.

Wie in der Familie versuchen wir sowohl Mitarbeiter als auch Auszubildende alle gleich zu behandeln, ob mit oder ohne Migrationshintergrund. Was wir bei Bedarf machen ist die Beratung bei behördlichen Gängen, der Wohnungssuche oder die intensive Vorbereitung auf die Prüfungen. Da jeder Mitarbeiter, wie eingangs erwähnt, seine Probleme mit zur Arbeit bringt, schauen wir, ob wir diese gemeinsam als Familie lösen oder gegebenenfalls unterstützen können. Ich denke, gerade im Zuge des demographischen Wandels spielt die Beschäftigung von Fachkräften mit Migrationshintergrund eine zunehmende Rolle – und wieso nicht jetzt schon damit anfangen? Jeder Mensch hat eine Chance verdient, egal wo er herkommt. Das versuchen wir jeden Tag zu zeigen. Wir brauchen junge Menschen, die Lust haben etwas zu bewegen. 

 
Reflexion