Weil ich mich fragte, wie Unternehmen ihren Beschäftigten in der Vereinbarkeit von Beruf und Familie entgegenkommen könnten und welche Bedeutung die Familienpolitik bei mittelständischen Unternehmen hat, besuchte ich einen Betrieb in Lüneburg, der bereits mehrfach durch besondere Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf mit dem FaMi-Siegel ausgezeichnet wurde. Weiterlesen . . . 

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arriere mit Kind

Ich möchte Karriere machen – neben der Familie.
Kann man nicht unter einen Hut bringen!? Falsch gedacht!

Seit 1823 gibt es DBL Marwitz Textilpflege, ein mittelständisches Unternehmen mit 149 Beschäftigten in Lüneburg. Das Unternehmen entwickelt für seine Kunden individuelle maßgeschneiderte Servicekonzepte rund um die Versorgung mit Berufskleidung. Katrin Perczynski, ihr Bruder Dirk Hischemöller und ihr Mann Thomas Perczynski leiten gemeinsam das Unternehmen. Sie bilden damit bereits die sechste Generation des Familienbetriebs. Klar ist, dass das Thema Familie in diesem Unternehmen eine ganz besondere Bedeutung hat.

Das Unternehmen im Lüneburger Hafen wurde vor fast 200 Jahren gegründet.

Maßgeschneiderte Modelle gibt es in dem Textilpflegeunternehmen nicht nur bei der Kleidung.

Auch die Beschäftigten profitieren von ganz individuellen Modellen zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Man könnte meinen, es bestünde ein Zusammenhang zwischen der Besonderheit des seit Anfang an familiengeführten Unternehmens und dem Thema Familie.

Familie in Großbuchstaben

Auf ihrem Instagram-Channel wird freitags mit dem Hashtag #Familienfreitag ein Bild von Beschäftigten gepostet, die entweder verwandt, verschwägert oder verheiratet sind. „Es ist total lustig zu erfahren, wie viele Menschen hier irgendwie miteinander verwandt sind“ schmunzelt Kundenbetreuerin Ekaterina Miller, die selbst einen Schwager im Unternehmen hat. Bei DBL Marwitz werden einzigartige Geschichten geschrieben. Von Auszubildenen, deren Eltern auch im Unternehmen beschäftigt sind, über Schwestern, die hier schon seit Jahren gemeinsam arbeiten und über Ehepaare, die sich bei DBL Marwitz kennengelernt haben, sind einige lustige Stories dabei… Familie wird hier groß geschrieben!

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Familie in Großbuchstaben

Es fällt schnell auf, wie zufrieden die Beschäftigen bei DBL Marwitz sind. Das liegt unter anderem daran, dass der Betrieb vor allem auf die individuellen Ansprüche der Beschäftigten mit Kindern oder pflegebedürftigen Verwandten eingeht. Teilzeit-Modelle und das Arbeiten im Homeoffice werden am meisten genutzt. Zusätzlich ist es möglich, die Arbeitszeiten bei Bedarf auch mal nach hinten oder vorne zu verschieben. Mitarbeitende mit schulpflichtigen Kinder werden besonders bei der Urlaubsplanung berücksichtigt. Und wenn mal unerwartet keine Betreuung für den Nachwuchs vorhanden ist, dürfen die Kinder auch kurzerhand ins Büro mitkommen.

Den Menschen durch familienfreundliche Angebote entgegenzukommen, ist für DBL Marwitz ein Geben und Nehmen. Für das Verständnis und den Freiraum, was die Mitarbeitenden für ihr privates Umfeld benötigen, geben sie viel Engagement und Loyalität zurück. Das zeigt sich vor allem an dem guten Betriebsklima und der langen Betriebszugehörigkeit von durchschnittlich 12 Jahren. Es ist ein gemeinsamer Weg für das Unternehmen und die Beschäftigte. Vertrauensvoller und wertschätzender Umgang gehören bei DBL Marwitz zum Selbstverständnis. So setzt der Familienbetrieb auf individuelle statt schematische Lösungen: Führungsmeetings beginnen um 08.30 Uhr, um die Kita-Öffnungszeiten zu berücksichtigen. Besprechungstermine und sonstige Veranstaltungen werden mit Beachtung der individuellen Arbeitszeitmodelle der Mitarbeitenden geplant. Sollten in der Produktion Überstunden anstehen, so kann entschieden werden, ob das Team lieber unter der Woche früher anfangen, oder samstags arbeiten möchte. Der Wiedereinstieg nach der Elternzeit wird begleitet und vorbereitet. Außerdem erhalten Mitarbeitende Unterstützung und Informationen über Kinder-Betreuungsangebote.

Derzeit umfasst Marwitz 149 Mitarbeitende mit einem Frauenanteil von ungefähr 60 Prozent. „Da nimmt die Vereinbarkeit von Familie und Beruf allein schon dadurch einen hohen Stellenwert ein“, meint Birgit Voigtländer, Personalreferentin bei DBL Marwitz. Auch immer mehr Männer aus allen Bereichen gehen bei DBL Marwitz in Elternzeit oder sprechen den Wunsch nach Homeoffice aus. Frau Voigtländer sieht die Familienfreundlichkeit auch aufgrund des allgegenwärtigen Fachkräftemangels als besonderen Schlüssel für den Unternehmenserfolg. „Bei der Suche nach neuen Fachkräften müssen wir auch gucken, was wir bieten können und wie wir ein attraktiver Arbeitgeber bleiben.“ Für nachfolgende Generationen prognostiziert Birgit Voigtländer, dass der Wunsch nach Homeoffice noch stärker ins Gewicht fallen wird. Außerdem würden mehr Teilzeitvariationen gefordert werden und auch die Vereinbarkeit mit der Angehörigenpflege werde zukünftig noch stärker in den Fokus geraten.

Birgit Voigtländer und Inken Schomacker im Interview
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Birgit Voigtländer gestaltet die Familienpolitik bei DBL Marwitz seit sieben Jahren aktiv mit und kann sich gut in die Mitarbeitenden hineinversetzen. Sie selbst ist Mutter und profitiert von einem individuell angepassten Teilzeit- und Homeoffice-Modell.

Die Mitarbeitenden geben ganz individuelle Beispiele,
wie sie bei DBL Marwitz Familie und Beruf miteinander vereinbaren können.

Tobias Lotter ist Teamleiter der Kundenbetreuung im Außendienst und hat zwei Kinder im Alter von 2 und 4 Jahren. „Ich weiß es echt zu schätzen, dass ich immer die Möglichkeit habe, im Homeoffice zu arbeiten.“ Herr Lotter freut sich besonders über die Flexibilität in der Kinderbetreuung, die er dadurch hat, dass er auch spontan von zu Hause aus arbeiten kann.

Ekaterina Miller, Kundenbetreuerin im Außendienst und zweifache Mutter, arbeitet in Teilzeit 24 Stunden in der Woche und hat auch die Möglichkeit, jederzeit im Homeoffice zu arbeiten.  Sie schätzt besonders den freundlichen Umgang miteinander im Unternehmen, auch mit den Vorgesetzten.

Kathrin Sander arbeitet bereits seit 2007 bei DBL Marwitz. Für sie ist von Seiten des Unternehmens die Rücksichtnahme besonders wichtig für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Derzeit arbeitet die Mitarbeiterin der Auftragsimplementierung Teilzeit mit 28 Stunden pro Woche. Sie hat einem flexiblen Homeoffice-Tag im Monat.

Die seit 1985 im Betrieb tätige Conny arbeitet in Teilzeit. Sie hat ein Kind und übernimmt die Pflege für eine Angehörige. Bereits ihre Eltern haben hier gearbeitet. Gefreut hat sie, dass DBL Marwitz bezüglich ihrer Wünsche so entgegenkommend und flexibel war.

Nina von Limburg arbeitet 20 Stunden in der Woche und genießt eine flexible Arbeitszeit. Die Mitarbeiterin in der Buchhaltung und zweifache Mutter ist bereits seit 2003 bei DBL Marwitz tätig und schätzt besonders den herzlichen Umgang mit allen Kollegen.

Ausgezeichnet familienfreundlich 

Das FaMi-Siegel zertifiziert familienfreundliche Unternehmen in Nordostniedersachsen, die ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf aktiv und kreativ unterstützen. Angesichts des Fachkräftebedarfs gewinnt die Balance zwischen Beruf und Privatleben für Unternehmen zunehmend an Bedeutung und familienfreundlichen Betrieben fällt es leichter, Fachkräfte zu finden und langfristig zu binden. Mit dem Erwerb des FaMi-Siegels kann gezeigt werden, dass das Unternehmen gute Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie bietet. Dadurch kann das Unternehmen von verbesserten Chancen im Wettbewerb um Fachkräfte profitieren. Die Verleihung des Siegels erfolgt nach der Auswertung eines vom bewerbenden Unternehmen ausgefüllten Fragebogens, dessen Angaben die Expertinnen und Experten der Gemeinschaftsinitiative FaMi-Siegel bewerten. Bei erreichter Mindestpunktzahl wird dem Unternehmen das FaMi-Siegel für einen Zeitraum von drei Jahren erteilt.

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Das Textilpflegeunternehmen DBL Marwitz ist bereits zum zweiten Mal als besonders familienfreundliches Unternehmen ausgezeichnet worden und darf von 2019 bis 2021 erneut das FaMi-Siegel für die Außendarstellung nutzen. Die Vereinbarkeit von Familie und Karriere wird in den kommenden Jahren noch stärker ins Gewicht fallen und so für familienorientierte Unternehmen zu einem relevanten Wettbewerbsvorteil heraus kristallisieren. Vielleicht lehne ich mich gar nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich behaupte, dass Familienpolitik für den Erfolg von Unternehmen zum zentralen Thema der Zukunft werden wird. Besonders gefreut hat mich, wie Mitarbeitende und

Leitung bei DBL Marwitz an einem Strang ziehen und so beide Seiten Vorteile aus den individuellen familien-orientierten Angeboten ziehen können.