In der Universität findet man keine zukünftigen Azubis

Kommentar von Luca Sophia Els

Schüler/innen wollen studieren. Studierende studieren. Studienzweifelnde wollen weiter studieren. Wer bleibt übrig?

Diese Frage stellt sich angesichts der prekären Lage, dass viele Ausbildungsplätze jedes Jahr unbesetzt bleiben. Die Ausbildung bietet gegenüber dem Studium diverse Vorteile, die nicht von der Hand zu weisen sind: Man sammelt direkt praktische Erfahrungen und lernt, sein neu erworbenes Wissen unmittelbar umzusetzen. Man stellt zeitnah fest, ob der gewählte Beruf der Richtige ist. Man wird an die Hand genommen und hat einen strukturierten Tagesablauf. Man verdient von Anfang an sein eigenes Geld.

Das Angebot des ALÜs ist zweifelsfrei toll. Sowohl den Bewerber/innen als auch den Unternehmen wird die einmalige Chance geboten, zunächst auf einfachem Wege eine Ausbildungsbeziehung einzugehen und währenddessen durch Sonderkonditionen weiter davon zu profitieren.

Es ist erschreckend, dass selbst die durch das Konzept des Ausbildungsverbundes entstehenden Netzwerkeffekte plus geballtes Know-How nicht dazu führen, dass in der Region Lüneburg die freien Ausbildungsstellen hinreichend besetzt werden können.

Es stellt sich die Frage, ob die Debatte über die Bedeutung und die Wertschätzung der Ausbildung angesichts des gravierenden Mangels an Auszubildenden neu initiiert werden muss. Bereits Studierende für eine Ausbildung zu gewinnen, ist reichlich spät und widersinnig. Es scheint wenngleich notwendig, keine weitsichtige Maßnahme zu sein. Es bedarf einer neuen gesellschaftlichen Einstellung, die junge Leute vom Studieren abhält und für eine berufliche Ausbildung gewinnt. Nur wenn die berufliche Ausbildung ebenso wertgeschätzt wird und eine echte Alternative zum Studium darstellt, können die Lücken in unserem System der Berufsausbildung gestopft werden.

Der Wechsel von Studienzweifelnden beziehungsweise -abbrechenden hin zur Ausbildung darf nicht als sozialer Abstieg deklariert werden!

Da kurzfristig an diesen Umständen wenig geändert werden kann, liegt es nahe nach schnellen Lösungen Ausschau zu halten. Wie wäre es also mit einer Kooperation zwischen der Uni und dem ALÜ?

Das technisch-gewerbliche Profil des ALÜs deckt sich kaum mit dem Studienprofil der Leuphana. Im Bereich der IT erhält man dummerweise selbst ohne Studienabschluss Jobangebote. Letztlich bleiben noch die kaufmännischen Ausbildungsberufe, die der ALÜ anbietet. Leider ist die Anzahl der tatsächlichen Studienabbrecher hier verschwindend gering, so dass auch in diesem Fall kein sinnvoller Anknüpfungspunkt für eine Kooperation existiert.

Festzuhalten ist also: Die Uni bietet als akademische Ausbildungsstätte nur die Möglichkeit des Studiums an, da es nicht zielführend ist, ein verwascheneres Profil für eine quasi nicht vorhandene Nachfrage zu generieren. Die vom ALÜ ergriffene Chance, das Angebot eines dualen Studiums voranzutreiben, scheint sinnvoll, obwohl sie das aktuelle Problem fehlender Azubis nicht lösen wird.

Die einzige Option ist es, Schüler/innen von der Ausbildung im Allgemeinen und von dem Ausbildungsverbund im Besonderen zu begeistern. Für diesen Zweck ist es außerordentlich wichtig, stets neue Wege zu gehen und sich von der Konkurrenz abzugrenzen. Dem ALÜ gelingt es auf erfrischende Art die Zielgruppe anzusprechen wie die Kinowerbung aus dem Jahr 2016 zeigt.

Da Studierende nur in Ausnahmefällen in Betracht kommen, können wir festhalten: In der Universität findet man keine zukünftigen Azubis! Diese finden sich am Küchentisch in einer Diskussion mit ihren Eltern wieder, ob eine Ausbildung oder doch ein Studium besser ist. Bleibt zu hoffen, dass diese Entscheidung tatsächlich in Anbetracht der individuellen Stärken und Wünsche des/der Jugendlichen getroffen werden und nicht mit Rücksicht auf die Meinung anderer, die meinen ein Studium sei mehr mit Bildung assoziieren als die AusBILDUNG!

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